KUNSTFORUM INTERNATIONAL

HELMUT MIDDENDORF: BERLIN SO 36 REVISITED
October 1, 2022
Helmut Middendorf (geb. 1953) zählt zu den profiliertesten Protagonisten einer Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, die in den frühen 1980er Jahren in Berlin und anderswo als „Neue Wilde" auf sich aufmerksam gemacht haben. Das Etikett hatten sie sich verdient, weil sie mit ihrer emotionalen und erzählenden Malerei an die Tradition des deutschen Expressionismus und des französischen Fauvismus andockten, seinerzeit als Kunst der „fauves", der wilden Bestien geschmäht. Ohne sich um den ästhetischen Zeitgeist zu kümmern, der in jenen Tagen die eher kopflastige Konzeptkunst und die abstrakte Minimal Art privilegierte. Beispielhaft kommt er in einem Statement von Joseph Beuys zum Ausdruck, damals Lehrer an der Akademie in Düsseldorf, der junge Menschen nicht gerade zum Malen ermutigte: „Das Elend fängt schon an, wenn sich jemand Keilrahmen und Ölfarben kauft."